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Edmund Schönenberger

Vorwort    Herrscht das Volk?    Demokratische Verfassung    Souveränität der Schweizer?    Demokratie?    Parlament

Verfassung    Russland    Nieder mit dem Rechtsstaat    Das Recht für die Reichen    Was tun? .

 

 
Nieder mit der Demokratie
Zurück auf erster Teil
[ Fortsetzung ]

 

 

Aber das ist doch Demokratie,

wenn das Volk die Möglichkeit hat,

die Verfassung jederzeit

im von ihm gewünschten Sinne zu ändern!

Es ist nicht zu bestreiten, dass es in den westlichen Verfassungen von demokratischen Einzelheiten wie zum Beispiel dieser Revisionsmöglichkeit nur so wimmelt. Das ist ja auch der Sand, das sind die Bäume!

 

Sie vermögen nur den Dummen über den Haken hinwegzutäuschen, der alles wieder über den Haufen wirft.

 

Stellen wir uns eine Verfassung vor, in welcher die Volkswahl eines alle Macht in sich vereinigenden Königs vorgesehen und ausserdem bestimmt wird, sie könne jederzeit wieder abgeändert werden. Ist das eine Demokratie? Doch wohl nicht; denn es herrscht der allmächtige König! Hier ist eine Monarchie eingerichtet worden.

 

Wie wir schon gesehen haben, ist das Gewährenlassen einer mit allen Machtmitteln ausgestatteten Minderheit eine Plutokratie. Das bleibt sie, Revisionsbestimmungen hin oder her.

 

Die Monarchie wie auch die Plutokratie würden dann zu Demokratien, wenn das Volk durch Verfassungsänderung den König oder die Plutokraten entmachtete und sich nicht nur auf dem Blatt Papier, sondern faktisch die Macht zuschanzte. Ohne das bleibt alles beim Alten.

 

Die Schweiz hat die Probe aufs Exempel schon hinter sich: Vor einigen Jahren hatte das Volk Gelegenheit, über eine Verfassungsinitiative abzustimmen, wonach ihm die Möglichkeit eingeräumt worden wäre, genau in jenem Bereich, in welchem der Unternehmer sein allumfassendes Regime ausübt, ein klitzekleines bisschen mitzubestimmen. Die Vorlage ist bachab geschickt worden.

 

Über die Gründe braucht man gar nicht zu rätseln. Ein durch lebenslange Manipulation und Unterdrückung entmündigtes Volk kann die Herrschaft nimmer an sich reissen! Es genügte, dass die Herren drohten, das Chaos werde ausbrechen, wenn man sie nicht mehr gewähren liesse. Und schliesslich: Die Posten waren allesamt bereits verteilt - vom Generaldirektor über all die Chefs bis hinunter zum kleinen Sheriff, der die Macht hat, den Bürger zu demütigen und zusammenzuschlagen, ohne befürchten zu müssen, dass eine Krähe sein Auge aushackt.

 

Wären die obersten Chargen - via Mitbestimmung - ins Wanken geraten, hätten auch die unteren zu wackeln begonnen. Also galt es nicht nur für die Herren, sondern die ganze Hierarchie, die Rangordnung zu verteidigen.

 

Die Schweiz dürfte damit eine der klarsten Situationen aufweisen: Eine Revision in Richtung Demokratie hat ausdrücklich nicht stattgefunden. Die Handels-, Gewerbe- und Eigentumsfreiheit beherrschen noch immer das Geschehen. Die Plutokraten haben ihre Macht behauptet.

 

 

Aber das Volk kann doch jene

ins Parlament wählen,

die seine Interessen vertreten!

Auf dieses Argument fällt nur ein Blauäugiger herein. Genauso, wie man einen Hitler durch Volkswahl an die Macht peitschen kann, genauso lässt sich jeder Beliebige in die Parlamentsstühle katapultieren. Wie hat sich doch ein inzwischen begrabener Werbefritz so treffend ausgedrückt: "Gänd mir en Million, und ich mach us emene Hördöpfelsack en Bundesrot!"

 

Geld regiert die Welt! Schon der Dreikäsehoch kann die Hand einer Kioskfrau mit einer Münze bloss ins Kaugummiregal dirigieren. Dass nicht das Volk, sondern die Herren das Geld besitzen, bestreitet niemand.

 

Nichts einfacheres für sie, als dem Volk ihre Vertrauensleute wie irgend ein anderes Produkt zu verkaufen und sich eine komfortable Mehrheit zu sichern. Sogar die Minderheiten können ihnen noch recht sein; denn sie erwecken den Anschein von Demokratie und obendrein stabilisieren sie.

 

Ganz abgesehen davon ist das Parlament und überhaupt der Staat bloss für die Hilfsfunktionen zuständig.

 

 

Aber in der Verfassung ist doch vorgesehen,

dass alle ausnahmslos die gleichen Rechte haben.

Damit hat jeder eine Chance.

Das ist doch Demokratie!

Dass ich nicht lache!

 

Nehmen wir den Herrn X, der eine Milliarde besitzt und den - gleichberechtigten - Herrn Y, der Null hat. Beide fangen nun an zu geschäften. Herr X geht zur Bank und erhält zum Zinssatz von 5 Prozent spielend eine weitere Milliarde Kredit. Er trommelt ein paar Strategen zusammen, die für ihn eine Marktlücke erspähen. Sie bauen die Fabrik und im Handumdrehen schneien die Gewinne herein, die das gesamte Kapital jährlich zu 10 Prozent verzinsen. Er behält die 10 Prozent für seine eigene und die 5 Prozent für die geliehene Milliarde. Die übrigen 5 Prozent liefert er der Bank ab, die damit eine Horde Kleinkreditler fangen wird. Der Kassensturz des Herrn X zeitigt bereits einen Vermögensstand von einer Milliarde und 150 Millionen.

 

Wenden wir uns dem gutmütigen Herrn Y zu. Auch er fragt bei der Bank nach einem Kredit. Auf Null gibt's Null, erhält er lakonisch zur Antwort. Unverdrossen macht er sich dennoch ans Werk. Mit Müh und Not gelingt ihm nach Jahren ein bescheidener Erfolg. Eine Million nennt er sein eigen. Herr X hat freilich in der gleichen Zeit seine Milliarde verdoppelt und den Kredit zurückgezahlt.

 

Beide legen sich weiter in die Riemen. Der Geschäftsgang lässt den üblichen Gewinn von 10 Prozent zu. Ende Jahr verfügt Herr X folglich über zwei Milliarden und 200 Millionen. Herr Y hinkt hoffnungslos mit einer Million und 100 Tausendern hinterher. Eine Chance hätte er nur, wenn er noch aggressiver als der X ins Zeug schösse.

 

Die horrenden materiellen Unterschiede bestanden schon, als die Verfassungen gezimmert wurden. Sie verhindern eine Demokratie.

 

 

 

Ja, wollt Ihr denn Zustände

wie in Russland?

Der letzte Trumpf des Herrn X! Wenn ich ihn so reden höre, stelle ich ihn mir sofort als in Russland beheimatet vor. Ich bin sicher, dass er sich auch dort unter die Herren gereiht und dem russischen Nörgler den Teufel des Kapitalismus an die Wand gemalt hätte.

 

Und noch nicht einmal zu Unrecht!

 

Was bei den Russen an den Pranger gestellt wird, findet sich im Westen fein versteckt und totgeschwiegen in nicht minderer Kadenz. Verbrechen gegen die Menschenrechte jagen sich.

 

Ich erinnere an die hiesige Kriegsfront in Friedenszeiten, dort, wo die Ordnungshüter und die Ordnungsbrecher aufeinanderprallen. Todesschüsse, Folterungen, bestialische Prügeleien und dergleichen mehr kommen laufend vor. Ich kann dies aus eigener Anschauung berichten und brauche mich gar nicht erst auf den unlängst verstorbenen Strafrechtsprofessor Peter Noll zu berufen, der die Zürcher Strafjustiz mit der faschistischen türkischen Militärjustiz verglichen hat.

 

Ich erinnere an das tägliche Gemetzel auf der Strasse und an den Arbeitsplätzen. Jeder, der sich an das Steuer eines Autos setzt (das gleiche gilt von demjenigen, welcher ein gefährliches Werk einrichtet), weiss haargenau um die Fehlerhaftigkeit von Mensch und Maschine. Er weiss, dass er und die übrigen Verkehrsteilnehmer unvorsichtig sein werden oder dass ein technischer Defekt auftreten kann. Er weiss zum Beispiel, dass Kinder oder Greise nicht selten völlig unversehens die Fahrbahn überqueren. Jedesmal, wenn er sein gefährliches Vehikel in Bewegung setzt, muss er mit dem Schlimmsten rechnen. Er nimmt es in Kauf. Das ist Eventualvorsatz, der dem Vorsatz gleichgestellt wird. Kommt ein Mensch zutode, so ist das vorsätzliche Tötung.

 

Man stelle sich die Katastrophe für die Herren Automobilfabrikanten vor, falls ein Richter mit dieser einzig richtigen Elle messen würde! Keiner könnte mehr umherkarren; denn das wäre schon versuchte Tötung und damit strafbar. Das ganze fette Geschäft würde sich in Schall und Rauch auflösen!

 

Die Richter - selber Automobilisten - pflegen daher lediglich auf fahrlässige Tötung zu erkennen. Die Opfer dürfen auf der Strasse weiter geschlachtet werden und auch die Herren Schwerindustriellen werden frisch fröhlich noch Legionen Todgeweihter unter Vertrag nehmen.

 

Ich erinnere an die hiesigen psychiatrischen Anstalten. Vor wenigen Jahren habe ich einen Insassen unter energischem Einsatz befreit, welcher dort jahrzehntelang gefangengehalten und täglich mit heimtückischen Nervengiften vollgepumpt worden war. Er hatte ein grausameres Schicksal zu erdulden, als etwa jener prominente Russe, der sein Dasein im weniger inhumanen Exil fristet und den die westliche Propaganda hochspielt, um den Dreck vor der eigenen Tür nicht wischen zu müssen.

 

Es soll mir ja keiner mehr mit den Russen kommen. Nach über einjährigem Aufenthalt in kommunistischen Ländern möchte ich nicht die Hand zwischen dem Osten und Westen drehen.

 

Ich habe auch schon - um einen weiteren Bogen zu ziehen - dreiviertel Jahre in Afrika verbracht. Ich kam mir vor, vom Schweizer Regen in die tropische Traufe geraten zu sein. Bei geschärftem Auge finde ich mich hier indessen im Sturzbach wieder!

 

 

Nieder mit dem Rechtsstaat!

In meinem Beruf als Anwalt sitze ich Klienten gegenüber und höre mir ihre (zumeist von den Plutokraten verursachten) Probleme an. Häufig gilt es dann, Verbindung mit dem in seinen Streit verwickelten Kontrahenten (in einer Arbeitsstreitigkeit etwa mit einem Subalternen des Fabrikanten) aufzunehmen, um eine Einigung zu erzielen. Scheitern die Verhandlungen, wird die Sache nicht selten vor den Richter gezogen. In Strafprozessen - eines meiner Spezialgebiete - ist bei sogenannten Offizialdelikten das Gefecht im Gerichtshaus unausweichlich.

 

Es wird dort Recht gesprochen - ein nicht minderer Betrug denn der Betrug mit der Demokratie!

 

Nehmen wir einmal an, ein Herr Einbrecher habe sich Zugang zu den Gemächern des Herrn X zu verschaffen gewusst. Wir haben diesen Herrn schon angetroffen. Sein Vermögen ist inzwischen - unter Berücksichtigung von Zins und Zinseszins sowie eines unverhofften Spekulationsgewinns - auf zweieinhalb Milliarden angeschwollen.

 

Der Herr Einbrecher bedient sich gerne und trägt bescheidene Zehntausend von dannen. Doch sein Glück währt kurz nur: Mitten aus einem rauschenden Fest unter Freunden in der Knelle zerrt ihn die Polizei weg und setzt ihn hinter Gitter. Um frei zu kommen, gesteht er sofort, sucht mich auf und beauftragt mich mit der Verteidigung.

 

Durch eine unwahrscheinliche Schlamperei des Anklägers, die in der Folge unentdeckt bleibt, gerät je eine Anklageschrift samt den Aktenkopien an zwei verschiedene Gerichte, wovon sich eines - das Schwein meines Klienten setzt sich fort - aus drei linken Poch-, das andere aus drei rechten SVP-Richtern zusammensetzt.

 

Etwas verwundert nehmen wir bald darauf die beiden hereinflatternden Vorladungen für die Hauptverhandlungen entgegen, forschen nach, entdecken das Versehen und schweigen still.

 

Zu den getrennten, kurz aufeinanderfolgenden Terminen finden wir uns in den Hallen und Sälen des Gerichts ein. Nach einstudiertem Plan beantragen wir beidemal Freispruch. Als einziges Beweismittel liegt das Geständnis meines Klienten vor, welches er jedesmal mit den gleichen Worten widerruft. Das Urteil werde schriftlich zugestellt, wird uns beschieden.

 

Mit spitzbübischer Freude dampfen wir ab; denn uns ist jetzt schon sonnenklar, was kommen muss. Die Poch-Richter halten selbstverständlich Herrn X, dessen Geschäftsgebaren sie politisch vehement bekämpfen, für den grössten Gauner und bringen meinem Klienten alle Sympathien entgegen. Für die SVP-Richter hingegen ist dieser der Halunke allein und Herr X ein ehrbarer Bürger. Entsprechend fallen die Urteil aus: Die Linken sprechen frei, der Geständniswiderruf sei glaubwürdig, die Rechten finden schuldig, der Widerruf gelte nicht.

 

Man muss nicht Tucholsky und seine Additionen der von Deutschen Richtern gegen Rechte und Linke ausgesprochenen Todesurteile nachgelesen haben, um zu wissen, dass - von der Schlamperei abgesehen - meine Annahmen durchaus realistisch sind.

 

Der Beweis lässt sich mit jeder Sache führen, die - bei absolut gleichbleibendem Sachverhalt - von einer unteren und einer oberen Gerichtsinstanz dennoch verschieden beurteilt wird. Von solchen Fällen wimmelt es.

 

Sie decken den Betrug auf. Sowohl die Poch- wie die SVP-Richter, die untere wie die obere Instanz haben jedesmal das exakt gleiche Gesetz vor sich. Logischerweise müssten daher bei exakt gleichem Sachverhalt auch gleiche Sprüche den Lippen der Richter entgleiten.

 

Die Sache gleich, das Recht gleich, die Urteile verschieden ........? - Des Rätsels Lösung liegt auf der Hand. Die Richter sind verschieden!

 

In keinem einzigen Urteil wird daher "Recht" gesprochen, sondern es kommen lediglich die - willkürlichen - Meinungen der Richter zum Ausdruck. Je mehr sich deren Weltanschauungen und Moralvorstellungen unterscheiden, umso mehr weichen ihre Urteile voneinander ab.

 

Um dies zu verhindern, finden im Justizwesen rigide Auswahlverfahren statt, die dafür sorgen, dass die Schäfchen beieinander bleiben. Beispiele wie jenes des Deutschen Amtsrichters (ich grüsse Dich!), der stur je die Mindeststrafe verhängte, bis er abgesetzt wurde, machen keine Schule.

 

Schiebt man das Geflunker über das Recht beiseite, stösst man unweigerlich auf die Macht. Sie bestimmt nicht nur die Justiz, sondern auch die beiden übrigen Staatsgewalten der westlichen Plutokratien. Jedermann kennt das Gerangel im Parlament. Die Poch und Konsorten wollen dies, die SVP und Kompanie das. Da die Herren für die Mehrheit gesorgt haben, setzen sie sich regelmässig durch. Mit Recht hat dies nichts, mit Macht alles zu tun.

 

Nieder auch mit dem Rechtsstaat!

 

Suchen wir noch in einer knappen Formulierung die Verbindung zwischen Volk und Staat, so finden wir das Volk, das die Scheisse des Herrn wegputzt und den Staat, der die Putzerei organisiert und das Volk antreibt.

 

 

 

Das Recht für die Reichen,

die Pflicht für die Naiven.

Der Herr X ist uns inzwischen so ans Herz gewachsen, dass wir ihn einladen wollen, uns ein bisschen zu begleiten. Mit seinem Vermögen sind wir bereits bekanntgemacht worden. Nebenbei sei's angemerkt: Dieses Jahr stehen 250 Millionen Gewinn zu Buche. Irgend jemand scheint ihm da eine hübsche Stange Geld zu schulden!

 

Wir werden darauf zurückkommen.

 

Die Leitung seines Imperiums hat Monsieur X fünf pfiffigen, karrierebewussten Verwaltungsräten und das Präsidium darüber einem hervorragenden, dynamischen, verhandlungsgewandten Altmanager übertragen. Das mit allen nur denkbaren Führungseigenschaften ausgestattete Team schmeisst seinen Laden derart souverän, dass er zu nicht mehr als der jährlichen ordentlichen Generalversammlung zu erscheinen und ausserdem zu überwachen hat, ob die Viertelmilliarde wirklich hereintrudelt.

 

Sie trudelt.

 

Unbeschwert kann er über seine Zeit frei verfügen. Er wohnt in einer prachtvollen, palastähnlichen Villa, unternimmt ausgedehnte Reisen rund um die Welt und weiss zu leben - ein echter Bonvivant! Hat er etwas zu bezahlen, zückt er seinen Revolver - pardon! - sein Checkbuch. Die Checks sind allesamt gedeckt.

 

Langsam sind wir Monsignore X's Gehabe doch ein wenig überdrüssig geworden. Wenden wir uns daher einem Durchschnittsbürger zu. Nennen wir ihn höflich Herrn Z.

 

Herr Z oder kurz Z wohnt in einer Mietkaserne in Schwamendingen und arbeitet in einer Fabrik in Oerlikon. Die Wohnung von Herrn Z ist mit allem Komfort ausgestattet. Erst kürzlich ist die alte Küche und das Bad herausgerissen und durch das Letzte vom Letzten ersetzt worden. Als er kurz darauf den Pöstler antraf, hatte er sich schon auf einen Liebesbrief gefreut. Leider war es dann aber nur die Mietzinserhöhung.

 

In die relativ kleine Stube hat er eine imposante Wohnwand gepfercht, dito Polstergruppe, ein TV steht dort, das ist ja selbstverständlich, daneben glitzert's herrlich. Ich kenne mich da nicht so aus, aber das müsste eine Tonstudioanlage sein. Unaufhörlich zischen, flackern und blinken Lämpchen in allen Farben. Aus Respekt vor der Privatsphäre wagen wir es nicht, einen Blick in sein Schlafzimmer zu werfen. Es wird schon recht sein. Dafür inspizieren wir noch kurz die Gemeinschaftsräume, die er mit den Kasernierten teilt: Ein Treppenhaus und die Waschküche.

 

Herr Z ist halt bei der Planung nicht dabeigewesen.

 

Da auch die übrigen Renditenobjekte der Überbauung in nichts von seinem Block abweichen, nimmt er das nicht so tragisch. "Ja, ja, die Gleichberechtigung ist schon etwas Gutes", brummt er manchmal vor sich hin.

 

Am Strassenbord steht sein Auto, das er jeweils samstags liebevoll pflegt. Überflüssig zu sagen, dass er dieses, wie auch den schon erwähnten Hausrat, restlos auf Pump gekauft hat.

 

Frühmorgens - meist ist er noch mitten in Träumen - dringen aus der Box unversehens Werbespots und allerlei aufgestelltes Geplapper an sein Ohr. "Aha, es ist Zeit", kommt ihm in den Sinn. Ohne Zeremoniell strebt er zügig zum Bus und kann gerade noch rechtzeitig die Stechuhr in Oerlikon bedienen.

 

Herr Z ist Fliessbandarbeiter. Da die Maschine bereits läuft, braucht er nie eine Anlaufzeit. Er ist sofort voll dabei. Es staubt und lärmt. Aber daran ist er sich gewöhnt. Kantine, Signal, Stechuhr und Bus - die Kaserne hat ihn wieder.

 

Er unternimmt noch einen kurzen Abstecher zur Post und stellt sich dort in die Schlange, um alle seine Zahlungen zu erledigen. Sein Lohn reicht nicht ganz. "Hoffentlich kommt bald die Weihnachtszulage", denkt er bei sich. Dass die Post das Geld zum X dirigiert, der schon auf die dritte Milliarde lossteuert, merkt er natürlich nicht.

 

Da ihm trostlos zumute ist, setzt er sich ins Auto, um schnell zum Einkaufszentrum Glatt zu hüpfen. Er kribbelt hierhin, er krabbelt dorthin, statt - wie er eigentlich vorhatte - eine neues Videoband zu kaufen, unterschreibt er einen Abzahlungsvertrag für einen Personalcomputer. Damit könne er die unglaublichsten Sachen machen, hat ihm der Verkäufer versichert. Seine Versuche zuhause, aus dem Ding etwas Gescheites herauszukriegen, schlagen dann allerdings fehl. Er verstaut das Gerät in die Wohnwand, wobei er sich - gemäss Hausordnung - bemüht, seinen Nachbarn hinter der hellhörigen Mauer möglichst wenig zu stören. Für den Rest des Abends hockt er wie ein Kartoffelsack vor der Fernsehkiste. Was anderntags und 49 Wochen jahrein jahraus geschehen, wissen wir. Auch die drei übrigen Wochen sind schon zur Sprache gekommen.

 

In der Schweiz gibt es ein paar Tausend X und ein paar Millionen Z. Die X vereinigen astronomische Summen auf sich, die jedes Jahr verzinst werden müssen. Es ist Aufgabe der Z, die entsprechenden Abermilliarden den X in die Schlünde zu werfen.

 

Das ist Irrsinn!

 

Mit Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat hat das nichts, aber auch gar nichts zu tun.

 

Nieder mit allem!

 

 

 

Was tun?

Man muss scharf überlegen, um herauszufinden, warum unsere Reichen diesen faulen Zauber mit der Demokratie überhaupt brauchen. Die Geschichte lehrt, dass die Herrschaft nie anders als zwischen dem Tyrann und den Oligarchen hin- und herpendelt. Dem Volk fällt lediglich die Aufgabe zu, mal den einen aus dem Sattel zu stossen, mal die andern auf den Schild zu erheben, um alsbald auch ihnen wieder den Garaus zu machen.

 

Genau davor haben die heutigen Regenten Angst. Also verstecken sie sich hinter der Lüge, sie seien gar nicht die Herrscher.

 

Eigentlich sind sie ja strohdumm. Das Versteckspiel bräuchten sie gar nicht. Demokratie ist ein Ding der Unmöglichkeit. Es hat sie noch nie gegeben und es wird sie auch nie geben. Vorher gelänge es, bei einer Hirschherde die Böcke abzuschaffen.

 

Der Mensch ist seit Urzeiten der gleiche geblieben. Sein Hirn ist nicht gewachsen. Mit der gleichen Wut beschliesst er Krieg, ist sie abgekühlt, heisst's wieder Frieden. Auch wenn sich die Pyramide von Zeit zu Zeit mit Getöse zu wälzen pflegt: Eine Spitze bleibt immer oben!

 

Dass die Schweiz eine der ältesten Demokratien sei, ist ein Märchen. Schon zur Gründung gab es die Freien und die Unfreien, hielten sich die Stauffachers und Redings Knechte. Die Eidgenossen haben Vögte in alle Himmelsrichtungen verschickt, die Städter die Bauern unterdrückt. Ich habe sieben Jahre lang eine Innerschweizer Landsgemeinde mitverfolgt. Gewählt werden dort nicht Demokraten, sondern Lokalkönige, notabene für die Nebenfunktionen. Auch in den Urkantonen diktieren die freiwaltenden Herren X hinter den Kulissen das Geschehen.

 

Die Plutokraten bräuchten dem Volk daher nur diese Zusammenhänge einzubläuen und es würde ihnen treuherzig aus der Hand fressen. Alsbald würde sie nichts mehr darin hindern, zu ihrer Plutokratie zu stehen. Ehrlich gesagt ist für mich ein König, der verkündet, "l'état, c'est moi", weniger abstossend, als die hiesigen Herren, die dem Volk vortäuschen "die oberste Gewalt, das seid Ihr"! Die Feigheit, die da mitwirkt, zeugt nicht von Grösse.

 

Forscht man nach den Ursachen, warum sich in der Menschheitsgeschichte Krieg und Frieden abwechseln, finden sich immer Überbordungen. Massvolle Herrscher haben nie etwas zu befürchten.

 

In diesen Zeiten ist unübersehbar, dass wir auf die nächste Katastrophe zusteuern. Die Überbordung, die heute ins Auge sticht, ist die Blödheit des Volkes, den Plutokraten den Zaster in den Arsch zu stecken und die Tollkühnheit der Plutokraten, diesen Zaster in immer neue Unternehmungen zu werfen. Die Spirale dreht sich. Die Tribute des Volkes wachsen ins Unermessliche. Ein kleiner Funke - und schon kracht wieder eine Epoche zusammen. Aussichten, dass die Masslosen zur Besinnung kommen, bestehen regelmässig keine.

 

Was bleibt einem, der Herr über niemanden, niemandes Knecht, sondern sein eigener Herr ist, der weder zu den Plutokraten noch zum Volk gehört, da übrig? Zuschauen, wie sich das Spektakel entwickelt? Abhauen? Auf die Barrikaden steigen? Sich verkriechen? Auf die Kugel, die Bombe warten?

 

Sein eigener Herr bleiben!

 

Wenn wir's überleben, werden wir wissen, ob wir uns weise beraten haben.

 

Edmund Schönenberger, Rechtsanwalt

 

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